Die wichtigsten Gin-Botanicals
Wacholder, Koriander, Angelika und Co. — was Gin sein unverwechselbares Aroma gibt.
Gin ist im Grunde ein neutraler Alkohol, der durch eine sorgfältig komponierte Auswahl pflanzlicher Zutaten zum Leben erweckt wird. Diese Zutaten nennt man Botanicals. Sie sind das Herzstück jedes Gins und der Grund, warum zwei Gins, die scheinbar dasselbe Getränk sind, so unterschiedlich schmecken können. Wer die wichtigsten Botanicals kennt, versteht Gin auf einer ganz neuen Ebene — und kann beim Kauf gezielt den Gin finden, der zum eigenen Geschmack passt.
In diesem Artikel stellen wir die wichtigsten Botanicals vor, erklären ihre Rolle im Aromaprofil und zeigen, wie sie zusammenwirken. Du wirst sehen: Hinter jedem guten Gin steckt eine durchdachte Komposition, die ähnlich viel Fingerspitzengefühl verlangt wie ein gutes Parfüm.
Wacholder — das Fundament jedes Gins
Kein Wacholder, kein Gin — so einfach ist die Regel. Wacholderbeeren (botanisch eigentlich Zapfen) verleihen dem Gin sein charakteristisches harzig-frisches Aroma mit feinen Noten von Pinie, Lavendel und Zitrus. Sie sind das einzige gesetzlich vorgeschriebene Botanical: Damit ein Getränk Gin heißen darf, muss Wacholder das vorherrschende Aroma sein.
Die Qualität und Herkunft der Wacholderbeeren beeinflusst den Gin erheblich. Viele Destillerien beziehen ihre Beeren aus dem Mittelmeerraum oder Osteuropa, wo sie wild wachsen und besonders aromatisch sind. Im Glas erkennt man Wacholder an der typischen, leicht an Nadelwald erinnernden Frische, die jeden klassischen Gin prägt.
Die klassischen Begleit-Botanicals
Koriandersamen
Nach dem Wacholder ist Koriandersamen das am häufigsten verwendete Botanical. Er bringt eine warme, leicht zitronig-würzige Note mit Anklängen von Salbei und Ingwer. Koriander wirkt als verbindendes Element, das die anderen Botanicals harmonisch zusammenführt, und ist in nahezu jedem klassischen Gin enthalten.
Angelikawurzel
Die Angelikawurzel ist der heimliche Star im Hintergrund. Sie steuert erdige, leicht moschusartige Noten bei und fungiert vor allem als Fixativ: Sie bindet die flüchtigen Aromen der anderen Botanicals und sorgt dafür, dass der Gin im Glas länger und stabiler riecht. Ohne Angelika würden viele feine Aromen schneller verfliegen.
Zitrusschalen
Schalen von Zitrone, Orange, Bitterorange oder Grapefruit bringen Frische und Helligkeit in den Gin. Sie sorgen für die spritzige, lebendige Komponente, die einen Gin & Tonic so erfrischend macht. Je nach Dosierung wirkt ein Gin dadurch sommerlich-leicht oder vollmundig-fruchtig.
Iriswurzel (Orris)
Die Iriswurzel liefert subtile, an Veilchen erinnernde florale Noten und wirkt — ähnlich wie die Angelika — als natürliches Fixativ. Sie verleiht hochwertigen Gins eine seidige Eleganz und Tiefe, die man eher fühlt als bewusst schmeckt.
Würzige und florale Botanicals
Über die Klassiker hinaus greifen Destillerien zu einer breiten Palette weiterer Botanicals, um ihrem Gin Charakter zu verleihen. Würzige Botanicals wie Kardamom, schwarzer Pfeffer, Zimt, Muskat oder Kreuzkümmel erzeugen Wärme, Tiefe und eine angenehme Schärfe. Sie sind typisch für vollmundige, kräftige Gins.
Florale Botanicals wie Lavendel, Rosenblüten, Holunderblüte oder Kamille verleihen einem Gin Eleganz und einen parfümierten Charakter. Sie sind besonders in modernen New Western Gins beliebt. Kräutrige Zutaten wie Rosmarin, Thymian, Salbei oder Basilikum bringen frische, grüne Noten und passen hervorragend zu sommerlichen Drinks.
Gerade die deutsche Craft-Szene ist für ihren kreativen Umgang mit regionalen Botanicals bekannt — von Schwarzwälder Preiselbeeren über bayerischen Hopfen bis zu Berliner Waldmeister. Mehr dazu in unserem Überblick zu den besten deutschen Craft Gins.
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Botanicals bewusst erschmecken
Wer die Botanicals eines Gins bewusst erleben möchte, sollte ihn zunächst pur in einem bauchigen Glas verkosten. Schwenke den Gin leicht, rieche aus etwas Abstand und versuche, einzelne Aromen zu identifizieren — die harzige Wacholderfrische, eine zitronige Helligkeit, würzige Wärme oder florale Eleganz. Mit jedem Gin schärfst du deine Wahrnehmung.
Im Gin & Tonic kommen die Botanicals ebenfalls zur Geltung, sofern das Tonic nicht zu dominant ist. Eine zum Gin passende Garnitur unterstreicht das Profil zusätzlich. Wenn du tiefer einsteigen willst, hilft unser Leitfaden zum Gin-Tasting für Einsteiger beim systematischen Verkosten.
Häufig gestellte Fragen
Was sind Botanicals im Gin?
Welches Botanical ist im Gin am wichtigsten?
Warum schmecken Gins so unterschiedlich, obwohl sie alle Wacholder enthalten?
Wie viele Botanicals braucht ein guter Gin?
Kann ich die Botanicals eines Gins herausschmecken?
Welche ungewöhnlichen Botanicals gibt es?
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