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Verschiedene Arten von Gin in verschiedenen Flaschen und Gläsern

Gin Stile: Welche Sorten gibt es?

Gin ist nicht gleich Gin. Während viele Menschen Gin mit London Dry gleichsetzen, gibt es tatsächlich eine beeindruckende Vielfalt an Stilen, die sich in Herstellung, Geschmack, Alkoholgehalt und Geschichte unterscheiden. Jeder Stil hat seinen eigenen Charakter, seine eigenen Vorzüge und seine spezifischen Einsatzmöglichkeiten.

Diese Vielfalt macht Gin zu einer der faszinierendsten Spirituosen weltweit. Vom klassischen, wacholderbetonten London Dry über den süßen, historischen Old Tom bis zum hochprozentigen Navy Strength oder dem fruchtigen Pink Gin — für jeden Geschmack und jeden Anlass gibt es den passenden Stil. Selbst erfahrene Gin-Liebhaber entdecken immer wieder neue Nuancen und unbekannte Stile.

In diesem umfassenden Ratgeber stellen wir alle wichtigen Gin-Stile vor, erklären ihre Unterschiede, ihre Geschichte und geben konkrete Empfehlungen, welcher Stil zu Ihnen passt. Ob Sie ein absoluter Anfänger sind oder bereits Liebhaber dieses Getränks, Sie werden hier von neuen oder längst bekannten Kategorien lernen.

Was ist der Unterschied zwischen den Gin-Stilen?

Gin-Stile unterscheiden sich in mehreren zentralen Dimensionen. Die erste ist die Herstellungsmethode: Wie werden die Botanicals hinzugegeben, und wie wird der Brennprozess durchgeführt? London Dry beispielsweise schreibt vor, dass alle Botanicals während der Destillation hinzugegeben werden, während bei manchen anderen Stilen Vorsüße oder Nachverarbeitung erlaubt ist.

Die zweite Dimension ist der Geschmacksschwerpunkt. London Dry steht klar für Wacholder-Dominanz. New Western Gin erlaubt es, andere Botanicals gleichberechtigt oder sogar dominant zu machen. Sloe Gin konzentriert sich auf Schlehenfrüchte und ist deutlich süßer. Jeder Stil formt damit ein anderes sensorisches Erlebnis.

Die dritte Dimension ist der Alkoholgehalt. Standard Gin liegt meist bei 40–43 % Alkohol pro Volumen (ABV). Navy Strength Gin hingegen ist definitionsgemäß mindestens 57 % ABV, was ihm eine kräftigere Präsenz und komplexere Aromen verleiht. Diese höhere Alkoholstärke ermöglicht auch andere Geschmacksprofile.

Zuletzt spielt die Geschichte und Tradition eine Rolle. Old Tom Gin und Genever sind Klassiker aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit ganz eigenen Herstellungstraditionen. Moderne Stile wie Pink Gin oder New Western Gin entstanden erst später, oft als Reaktion auf sich ändernde Konsumentenpräferenzen.

London Dry Gin: Der Klassiker

London Dry Gin ist das Herz der globalen Gin-Industrie. Der Stil entstand in Großbritannien und folgt einer strikten Definition: Nur natürliche Botanicals, alle während der Destillation hinzugefügt, kein künstliches Aroma, keine Farbstoffe, minimale nachträgliche Süßung. Wacholder muss die vorherrschende Geschmacksnote sein — ohne wenn und aber.

Diese klare Definition hat London Dry Gin zum weltweiten Standard gemacht. Der Grund ist Zuverlässigkeit: Jede Flasche verspricht ein konsistentes, klassisches Geschmackserlebnis mit deutlicher Wacholdernote, ergänzt durch Zitrus, Würze und subtile florale Noten. London Dry Gins sind die erste Wahl hinter der Bar für Klassiker wie Gin & Tonic, Martini und Negroni.

Bekannte Marken sind Tanqueray, Beefeater, Bombay Sapphire und Gordon's — alle bewährte Klassiker. Premium-Varianten wie Sipsmith oder No. 3 zeigen, dass auch innerhalb der strengen London-Dry-Regeln großes handwerkliches Können und Vielfalt möglich sind.

New Western Gin: Modern und vielfältig

New Western Gin ist ein moderner Stil, der in den 1990er Jahren aufkam und eine Philosophie darstellt: Wacholder ist wichtig, aber nicht heilig. Stattdessen werden gleichberechtigt oder sogar dominant florale, fruchtige, würzige oder exotische Botanicals eingesetzt. Dies macht New Western Gins experimenteller, zugänglicher und oft auch komplexer.

Diese Freiheit führte zu einer Explosion an Craft-Gin-Marken, besonders in Deutschland, Belgien und Skandinavien. Jeder Hersteller konnte nun sein eigenes Profil definieren: lavendeldominierten Gin, himbeerfokussiert, mit exotischen Gewürzen, mit Waldfrüchten. New Western Gin ist daher ideal für Liebhaber von Vielfalt und Neuentdeckungen.

Für Einsteiger kann New Western Gin sogar weniger abschreckend wirken als London Dry, weil der dominante Wacholder-Geschmack nicht so präsent ist. Das macht ihn zu einer wunderbaren Brücke für Menschen, die Gin neu entdecken.

Old Tom Gin: Süß und historisch

Old Tom Gin ist ein Klassiker aus dem 18. und 19. Jahrhundert, der eine süßere, mildere Alternative zu modernem Dry Gin darstellt. Im Gegensatz zu London Dry wird Old Tom nach der Destillation gesüßt — meist mit Zucker oder anderen Süßungsmitteln. Das Ergebnis ist ein runderer, eleganterer Gin, der sanfter am Gaumen ankommt.

Die Geschichte des Old Tom ist faszinierend: Angeblich wurde der Gin über eine Katzenskulptur („Old Tom") verteilt, um die Prohibition zu umgehen — ob das wahr ist, wird debattiert. Historisch gilt Old Tom Gin als Brücke zwischen dem malzigen, ursprünglichen Genever und dem trockenen modernen Gin.

Heute erleben Old Tom Gins eine Renaissance, weil Barkeeper feststellen, dass sie der historisch korrekte Gin für klassische Cocktails wie Tom Collins, Martinez oder Sazerac sind. Die Süße passt perfekt in diese Rezepte, die mit modernem London Dry oft zu hart wirken.

Sloe Gin, Navy Strength & Barrel Aged

Sloe Gin ist streng genommen ein Gin-Likör: Schlehenfrüchte werden in Gin eingelegt und dann gesüßt. Das Ergebnis ist tiefrot, deutlich süßer und mit niedrigerem Alkoholgehalt als reiner Gin. Sloe Gin wird gerne pur als Digestif oder in winterlichen Cocktails getrunken, besonders beliebt gemischt mit Champagner.

Navy Strength Gin ist hochprozentig: mindestens 57 Prozent ABV. Dieser Alkoholgehalt stammt aus einer historischen Regel — nur Gin mit dieser Stärke ermöglichte es der Royal Navy, Schießpulver mit dem Gin getränkt zu lagern. Heute ist Navy Strength Gin ein Qualitätsmerkmal: höhere Alkoholstärke bedeutet komplexere Aromen und eine kräftigere Präsenz in Cocktails.

Barrel Aged Gin wird nach der Destillation oder zur Vervollständigung in Holzfässern gereift. Dadurch nimmt der Gin goldbraune bis bernsteinfarbene Töne an und entwickelt komplexe Holzaromen — manchmal auch Einflüsse früherer Fassausstattungen wie Bourbon oder Sherry. Dies macht ihn zu einem Gin für Liebhaber, der pur am besten zur Geltung kommt.

Internationale Stile: Japan, Schottland & mehr

Japanischer Gin hat sich zu einem eigenen, hoch geschätzten Stil entwickelt. Japanische Destillerien verbinden westliche Gin-Handwerk mit lokalen Botanicals wie Yuzu, Sakura (Kirschblüte), Sencha-Tee oder Sansho-Pfeffer. Das Ergebnis sind elegante, oft florale und frische Gins, die Wacholder respektvoll einsetzen, aber lokale Aromen in den Mittelpunkt stellen. Marken wie Roku oder Ki No Bi sind weltweit gesucht.

Genever (Jenever) ist der holländische Vorfahre des modernen Gins. Er wird mit Getreidespiritus (Moutwijn) hergestellt, was ihm ein malziges, komplexes Profil gibt — eine Brücke zwischen Whisky und Gin. Genever ist in zwei Varianten erhältlich: Jonge (junge, heller) und Oude (alte, kräftigere). Wer Genever probiert, lernt die Ursprünge des Gins neu kennen.

Pink Gin ist ein moderner Trend. Die rosa-rote Farbe stammt von Botanicals wie Erdbeeren, Himbeeren oder Granatapfel, manchmal auch von Cranberry oder exotischen Früchten. Pink Gin ist oft fruchtiger und zugänglicher als klassischer Gin, mit subtilerer Wacholdernote. Für Einsteiger und sommerliche Drinks perfekt.

Welcher Stil passt zu mir?

Sie lieben Klassik und Zuverlässigkeit? London Dry Gin ist Ihre erste Wahl. Ein hochwertiger London Dry wie Tanqueray oder Sipsmith ist zeitlos, vielseitig und eignet sich für jeden Cocktail und den perfekten Gin & Tonic.

Sie mögen es experimentell und modern? Erforschen Sie New Western Gin. Mit tausenden Craft-Brands gibt es unendlich viel zu entdecken. Florale, fruchtige, würzige — finden Sie Ihren persönlichen Favoriten.

Sie bevorzugen mildere, süßere Geschmäcke? Old Tom Gin oder Pink Gin könnten ideal für Sie sein. Sie sind weniger wacholderlastig und oft fruchtiger oder weicher — perfekt als Einstieg in die Gin-Welt oder für entspannte Drinks.

Sie trinken gerne Cocktails und schätzen Geschichte? Old Tom Gin ist Ihre Antwort. In klassischen Cocktails wie Tom Collins oder Martinez macht er einen riesigen Unterschied — und verbindet Sie mit Jahrzehnten von Bartender-Tradition.

Sie suchen etwas Besonderes und Kräftiges? Probieren Sie Navy Strength oder Barrel Aged Gin. Diese Gins offenbaren ihre volle Komplexität am besten pur oder mit einem Tropfen Wasser — wie ein guter Whisky.

Sie interessieren sich für internationale Vielfalt? Japanischer Gin und Genever eröffnen völlig neue Geschmackswelten. Sie lernen, wie andere Kulturen die Gin-Tradition interpretieren und bereichern.

Erkunden Sie einzelne Gin-Stile

Häufig gestellte Fragen

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen London Dry und New Western Gin?
Der Hauptunterschied liegt in der Fokussierung auf Wacholder. Bei London Dry Gin ist Wacholder die dominante Geschmacksnote und muss deutlich wahrnehmbar sein. New Western Gin hingegen behandelt Wacholder als eine Komponente unter vielen — andere Botanicals können gleich prominent oder sogar präsenter sein. Dies macht New Western Gins oft zugänglicher und experimenteller.
Ist Old Tom Gin süßer als andere Gin-Sorten?
Ja, Old Tom Gin ist definitionsgemäß leicht gesüßt, während London Dry nach dem Brennen nicht nachgesüßt werden darf. Diese Süße macht Old Tom milder, runder und eleganter — ideal für klassische Cocktails wie Tom Collins oder Martinez. Im direkten Vergleich schmeckt man die Süße deutlich.
Warum heißt Navy Strength Gin genau 57 Prozent Alkohol?
Die Royal Navy lagerte Gin in Pulverlagern. Der Alkoholgehalt musste hoch genug sein, dass sich Schießpulver in einer Mischung mit Gin noch entzünden ließ — etwa bei 57 Prozent ABV war dies der Fall. Dieses historische Merkmal wird heute als Qualitätssiegel wahrgenommen und ist in modernen Navy Strength Gins Standard.
Kann ich Barrel Aged Gin genauso trinken wie London Dry?
Ja, aber Barrel Aged Gin verdient oft mehr Aufmerksamkeit. Die goldbraune Farbe und die komplexen Holzaromen vom Fass sprechen dafür, ihn pur oder mit einem Tropfen Wasser zu genießen, ähnlich wie Whisky. Im Cocktail kann er großartig sein, versteckt aber seine Besonderheiten etwas mehr.
Ist Genever eigentlich Gin?
Das ist eine häufig debattierte Frage. Genever ist historisch älter und wird mit Getreidespiritus (Moutwijn) hergestellt, was ihm ein malziges, komplexeres Profil gibt. Rechtlich ist Genever eine eigene Kategorie, nicht einfach Gin. Aber viele Gin-Liebhaber sehen darin den ehrwürdigen Großvater des modernen Gins.
Welche Gin-Stile eignen sich am besten für Einsteiger?
New Western und Pink Gins sind anfängerfreundlich, weil sie oft fruchtig-floraler wirken und weniger wacholderbetont sind. London Dry ist klassisch und verlässlich — gute Wahl für denjenigen, der den „echten" Gin kennenlernen möchte. Old Tom Gin spricht jene an, die es gerne etwas süßer und weicher mögen. Experimentieren ist erlaubt!